Mentale Freiheit

„Die Gedanken sind frei“ ist ein wunderbares deutsches Volkslied, dass immer wieder im Kontext politischer Unterdrückung gesungen wurde. Zum Beispiel soll Sophie Scholl es ihrem inhaftierten Vater über die Gefängnismauer hinweg vorgetragen haben.

Neben der äusseren (politischen) Zensur gibt es aber auch noch eine innere Zensur. Nicht nur, dass viele erwachsene Menschen ihre eigene Phantasie und Kreativität brachliegen lassen, da sie sich lächerlich vorkommen.

Insbesondere bei einigen psychiatrischen Erkrankungen werden die eigenen Gedanken eben nicht mehr als frei wahrgenommen, verbunden mit starken Angstgefühlen. Denn diese zwanghaften oder psychotischen Gedanken haben häufig tabuisierte oder sonstige bedrohliche Inhalte.

Aber wie soll jemand äusserlich z.B. wirtschaftlich frei werden, der innerlich nicht frei ist?

1. Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten,
sie fliehen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen,
es bleibet dabei:
die Gedanken sind frei.

2. Ich denke, was ich will,
und was mich beglücket,
doch alles in der Still,
und wie es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren
kann niemand verwehren,
es bleibet dabei:
die Gedanken sind frei.

3. Ich liebe den Wein,
mein Mädchen vor allen,
sie tut mir allein
am besten gefallen.
Ich bin nicht alleine
bei meinem Glas Weine,
mein Mädchen dabei:
die Gedanken sind frei.

4. Und sperrt man mich ein
im finsteren Kerker,
das alles sind rein
vergebliche Werke;
denn meine Gedanken
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei:
die Gedanken sind frei.

5. Drum will ich auf immer
den Sorgen entsagen
und will mich auch nimmer
mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen
und denken dabei:
die Gedanken sind frei.